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Erfolgreiche Pflegesatzverhandlungen für die spezielle Pflege junger Menschen

15. Dezember 2015

Berlin/Hildesheim. Schwarz auf weiß steht es in der aktuellen Pflegestatistik des Statistischen Bundesamtes geschrieben, dass bundesweit zum Jahresende 2013 die Anzahl pflegebedürftiger Menschen im Alter zwischen 15-60 Jahren bei 283.762 lag. In den letzten Jahren erhöhte sich die Zahl der Betroffenen stetig!

Zuwachs Ende 2011 gegenüber 2009 4,8%
Zuwachs Ende 2013 gegenüber 2011 5,6%

Der überwiegende Teil der Betroffene (87,55%) wird zuhause gepflegt, aber manchmal lässt die familiäre Situation eine ausreichende Betreuung in der Häuslichkeit nicht zu, dann ist eine vollstationäre Unterbringung unumgänglich. Bundesweit – so die Wiesbadener in ihrer Pflegestatistik wurden Ende 2013 insgesamt 35.323 junge Pflegebedürftige in Heimen gepflegt. Sehr unbefriedigend stellt sich die Situation allerdings für alle Beteiligten dar, wenn die Unterbringung junger Menschen im klassischen Pflegeheim in einem Umfeld von hoch betagten Menschen mit dementiellen Erkran­kungen vonstattengeht.


Mit einem speziell ausgestatten Wohnbereich bietet das Vitanas Pflege Centrum Am Lönsbruch in Hildesheim bereits seit sechs Jahren eine fachgerechte Betreuung für junge Pflegebedürftige (JuP) an, die darauf ausgerichtet ist, ein weitestgehend selbstbestimmtes, normales Leben mit professioneller Unterstützung sicherzustellen. Angefangen hatte alles einmal mit einem kleinen ‚JuP-Wohnbereich' mit 13 Plätzen. Aufgrund der hohen Nachfrage konnte der Spezialbereich Anfang 2015 auf insgesamt 46 Pflegeplätze ausgeweitet werden. Und die Einrichtung ist noch einen weiteren Schritt gegangen: Um auch nach außen offiziell den Status einer Spezialeinrichtung für Junge Pflege zu erlangen, wurde die Gesamteinrichtung in drei segregative Leistungsbereiche aufgeteilt (vollstationäre Pflege/ Junge Pflege und Service Wohnen).

Die Gemeinschaftlichkeit unter Gleichaltrigen zu pflegen, so der Centrumsleiter Michael Ossenkopp, sei ein wesentliches Hauptziel der Jungen Pflege. Unbestritten sind soziale Kontakte für junge Menschen außerordentlich wichtig und wenn das soziale Netzwerk Familie die Pflege und Betreuung nicht sicherstellen kann, hat das Zusammenleben mit anderen Menschen, die sich in einer gleichen Lebenssituation befinden, die sich im Alltag gegenseitig unterstützen und motivieren können, eine hohe Bedeutung.

Ein junger Mensch hat andere Ansprüche an seine Körperhygiene als ein 90-Jähriger – sei es das Rasieren der Beine oder das Auftragen eines Make-ups. Außerdem wollen junge Menschen noch stärker am Leben „draußen“ teilnehmen. Sich einfach mal in ein gemütliches Café setzen, einen unbeschwerten Einkaufsbummel unternehmen, das Kino besuchen, in die Disko/ Kneipe gehen, oder ein spannendes Fußballspiel live im Stadion zu erleben, all das kommt bei den jungen Pflegebedürftigen gut an. Herkömmliche Betreuungsangebote, wie sie in einem klassischen Pflegeheim für gewöhnlich stattfinden, lehnen die jungen Pflegebedürftigen hingegen ab. Auch Maßnahmen, die dabei helfen, wieder mobiler zu werden, haben im Pflegealltag für einen jungen Menschen, eine hohe Bedeutung.

Um den Status einer Spezialeinrichtung für Junge Pflege zu erlangen, mussten wir mit den Kostenträgern eine besondere Leistungs- und Qualitätsvereinbarung (LQM) für unseren JuP-Bereich abschließen. Diese LQM war wiederum die Grundlage für die Vergütung der leistungsgerechten Pflegesätze und Entgelte für Unterkunft und Verpflegung. Einen besonderen Versorgungsvertrag für die Junge Pflege benötigten wir hingegen nicht.

Durch die Vereinbarung zweier Leistungs- und Qualitätsvereinbarungen und damit einhergehender unterschiedlicher Pflegesätze/ Entgelte für Unterkunft und Verpflegung wurde der Ausstieg aus der bisher vereinbarten Mischkalkulation der Preise erfolgreich umgesetzt, so Stefan Hölscher, Projektleiter Pflegesatzverhandlungen bei der Vitanas Gruppe. Nach dem Wortlaut des SGB XI müssen Pflegesätze leistungsgerecht sein. Diese Voraussetzung wurde im Rahmen der differenziert verhandelten Leistungsbereiche erfolgreich umgesetzt.


Die LQM unterscheidet sich im Übrigen nicht grundlegend von dem LQM-Muster für die die normale vollstationäre Dauerpflege in Niedersachsen. Insbesondere bei der Darstellung des zu versorgenden Personenkreises wurden auf das spezielle Klientel und deren Krankheitsbilder und Alter hingewiesen.

Bevor die Verhandlung mit den zuständigen Kostenträgern beginnen konnte, musste im Vorfeld ein aussagefähiges Konzept erstellt werden. Drei Dinge benötigte die Einrichtung, um ans Ziel zu kommen: Erstens ein umfassendes Konzept, zweites eine LQM und drittens eine spezielle Pflegesatzkalkulation für den JuP-Bereich.

Am 20. Mai 2015 kam dann der große Tag der Verhandlung. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Interessen zwischen Kostenträgern und Einrichtungsträger nun einmal unterschiedlich liegen In der Pflegesatzverhandlung traf man sich auf Augenhöhe und erzielte gemeinsam einen vernünftigen Kompromiss.

Tabelle: Verhandelte Pflegesätze und Entgelte für Unterkunft und Verpflegung:

Vitanas Pflege Centrum Am Lönsbruch, HildesheimPS 0PS 1PS 2PS 3Unter­kunftVerpfle­gung

Normale stationäre Pflege
(78 Betten)

22,92 € 40,91 € 53,86 € 66,88 € 13,19 € 4,67 €

JuP - Junge Pflege
(46 Betten)

24,81 € 42,79 € 55,74 € 68,76 € 15,09 € 4,99 €

Unterschied in %
(Gesamt­pflege­satz ohne Investitions­betrag)

10,08 % 6,98 % 5,72 % 4,84 %    


Die Pflegesatzkalkulation für den JuP-Bereich unterscheidet sich von der normalen vollstationären Pflege in drei Bereichen:

1) Bei der Anzahl der Präsenzkräfte
Der hauptsächliche Verhandlungserfolg mit den Kostenträgern bestand darin, dass wir neben den Pflegeschlüsseln für den Bereich der Jungen Pflege zwei zusätzliche Vollzeitstellen (Präsenzkräfte) verhandeln konnten. Dem erhöhten Bedarf an Außenaktivitäten (insbes. Begleitung zu Veranstaltungen) wurde somit Rechnung getragen. Vertraglich wurde in der LQM demzufolge ein ‘Präsenzschlüssel‘ von 1 zu 23 vereinbart.

2) Höherer Energiekostenzuschlag
Gewohnte Kommunikationsmittel junger Menschen, wie Flachbildfernseher mit Sky-Anschluss, Computer mit Internet-Anschluss, Stereo-Anlagen, usw. verbrauchen entsprechend viel Strom. Von daher konnten wir uns mit den Kostenträgern bei den Energieaufwendungen im Vergleich zur normalen vollstationären Pflege auf einen 10,9%ig Bonuszuschlag verständigen.

3) Höherer Betrag für Lebensmittelaufwendungen
Auch die Ernährung spielt in der Jungen Pflege eine große Rolle. Der Appetit junger Menschen ist ausgesprochen hoch und es gibt für die „Doppelesser“ eine zusätzliche Speisekarte (z. B. Pizza, Steaks mit Pommes). Auch dieser Umstand wurde im Rahmen der Pflegesatzverhandlung angemessen berücksichtigt. Gegenüber der normalen vollstationären Pflege verständigten wir uns auf einen 6,85% höheren Tagesbetrag.

Unter dem Strich hat sich der ganze Aufwand gelohnt. Die Mitarbeiter und vor allem unsere Bewohner in der Jungen Pflege werden insbesondere von der Personalaufstockung in der Betreuung profitieren.

>> Mehr zum JuP-Bereich bei Vitanas unter www.vitanas.de/amloensbruch.jup

Kontakt und Informationen:
Stefan Hölscher, Projektleiter Pflegesatzverhandlungen
Vitanas GmbH & Co. KGaA | Aroser Allee 68 | 13407 Berlin
Telefon (030) 456 05 - 358

Michael Ossenkopp, Centrumsleiter
Vitanas Pflege Centrum Am Lönsbruch | Harlessemstraße 2 | 31134 Hildesheim
Telefon (05121) 28 40 – 38 82



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